Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Gilching von 1873 - 1950

1873 - 1901

1873 ist das eigentliche Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Gilching. Dies geht aus einem Bericht des Kreisfeuerwehrarchivs Starnberg hervor. Doch nach einem heute nicht mehr nachvollziehbaren Streit im Jahre 1881 führte die Gemeinde die Pflichtfeuerwehr ein und diese bestand dann bis zum Jahre 1901.

Urkunde der Wiedergründung der Frewilligen Feuerwehr Gilching durch Bürgermeister Schneider 1901
Erstes Feuerwehrhaus gebaut 1897

1901 - 1944

Die Freiwillige Feuerwehr wurde am 25.August 1901 zum zweiten Male neu gegründet auf Veranlassung des Herrn Bürgermeisters Schneider.

Die Bürgermeister der Gemeinde Gilching stellten zwischen 1901 und 1945 jeweils den Vorsitzenden der Feuerwehr. Leider sind aus den Jahren 1910 bis nach dem 2.Weltkrieg nur wenige Unterlagen über die Freiwillige Feuerwehr erhalten geblieben.

Vorstandschaft aus dem Jahre 1901

Nach Berichten einiger älterer Kameraden verbrannten sie zum Ende der NS Zeit, aus Angst vor den Alliierten, viele Unterlagen. Erhalten blieb eine Mitgliederliste aus dem Jahre 1909 und eine aus dem Jahre 1934, in der die Wehr stolze 61 aktive Mitglieder zählte. Der jüngste Feuerwehrmann war damals 19 Jahre alt.

Ebenso ist uns ein Bericht vom Landesfeuerwehrverband aus dem Jahre 1927 im Kreisfeuerwehr-Archiv erhalten geblieben. In diesem Bericht prüfte und beurteilte ein Ausschuss die Wehr und erteilte ein durchaus sehr positives Zeugnis. Auch der Zustand der Gerätschaften ist mit „sehr gut“ beschrieben. Die Feuerwehr besaß damals schon zweifahrbare Leitern, eine Druck- und Saugspritze und einen Schlauchwagen. Die umliegenden Wehren hatten deutlich weniger Material zur Verfügung. Im Jahre 1939 führte eine Kommission in Gilching einen Leistungswettstreit durch. Dabei ist auffällig, dass bei den Prüfungen Schulexerzieren, Vorbeimarsch und Weltanschauliche Schulung nur wenige Punkte erzielt wurden.

1905 – die neue Feuerspritze ist beschlossen. Der Gemeindeausschuss erteilt die Zustimmung über die Anschaffung einer neuen, modernen, pferdebespannten und handbetriebenen Feuerspritze. So war der Ärger mit der alten Spritze (sie hat nicht immer so funktioniert) endlich beendet.

Das schon im Jahre 1897 erbaute Feuerwehrhaus wurde 1914 erweitert. Dieser Teil war dann von 1942 bis 1945 Kriegsgefangenenlager für französische Kriegsgefangene, die als Ersatz für die zum Wehrdienst eingezogenen Gilchinger Bauern auf den Höfen arbeiten mussten.

Die erste Motorspritze für die Feuerwehr Gilching bestellte die Gemeinde im Mai 1938 für 3.600,- Reichsmark. Erhalten hat die Wehr ihre Spritze aber erst im Jahre 1941, denn in der Vor- und Anfangskriegszeit wurden von der NSDAP auch Feuerlöschspritzen nach Kriegswichtigkeit zugeteilt. Durch die verstärkten Bombenangriffe, auch wegen des Dornier-Geländes, kam ab 1942 die große Einsatzzeit unter Kriegsbedingungen auch für die Gilchinger Wehr. Sie bekämpften sowohl mehrere Tage dauernde Brände in München als auch in Gilching selber.

Auch die Jugendfeuerwehr mit ihren 15 bis 16-jährigen Mitgliedern musste bei den gefährlichen Flächenbränden in der Stadt München mit löschen. Es ist eine sehr schwere Zeit für diese jungen Feuerwehrmänner gewesen. Sie hatten viele grausame Erlebnisse zu verarbeiten.

Erste Mitgliederliste aus dem Jahr 1909 mit Verbesserungen aus 1911

1944

Im Jahre 1944 gründete die Feuerwehr auf Grund der mangelnden männlichen Floriansjünger zwei Feuerlöschgruppen aus Mädchen und jungen Frauen. Diese beiden Gruppen, amtlich als „Damengruppe“ bezeichnet, bestanden aus unverheirateten Frauen ab 18 Jahren. Die Damen bekämpften auch am 13. Juni 1944 den Brand des Gilchinger Kirchturmes der St. Vitus Kirche.

Erste Frauen und Mädchengruppe 1944

Nach dem Krieg hatte es die Gilchinger Gemeinde schwer, Männer aus der Bevölkerung zum Dienst in der Feuerwehr zu animieren. Nur wenige hatten Lust im Chaos der Jahre 1945 und 1946 eine Uniform anzuziehen, auch wenn es sich nur um eine Feuerwehruniform handelte. Acht Mitglieder (fast ein Drittel) der Feuerwehr sind in den Jahren des zweiten Weltkrieges gefallen. Auch die in Kriegsgefangenschaft geratenen Männer fehlten bei der Wehr. Die Mehrzahl der im Jahre 1943 gegründeten Jugendgruppe setzte der Staat in den letzten beiden Jahre des Krieges zum Reichsarbeitsdienst ein, oder es kam die Einberufung zur Wehrmacht und daher waren viele ebenfalls noch in Kriegsgefangenschaft. Dadurch kam es zu einem Engpass im Brandschutz. Am 29.10.1946 beschloss der Gemeinderat, wie im Jahre 1881, eine Pflichtfeuerwehr einzuführen. Der Verein sollte sich in dieser Angelegenheit an den Kreisbrandinspektor, Herrn Pettinger, in Starnberg wenden. Es gibt zwar keine Aufzeichnungen mehr, aber zu einer Pflichtfeuerwehr ist es nie gekommen. Die erste uns vorliegende Aufstellung von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr ist vom 04. Mai 1947. Es gab damals drei Gruppen in der Wehr. Zum ersten Kommandanten nachdem Krieg wählten die Mitglieder August Müller.

Mannschaftsliste aus dem Jahre 1947